Mittwoch, 10. Dezember 2025

Liebe

 

Liebe

Liebe ist die mächtigste Kraft, die es im Universum existiert.

Ein paar Bemerkungen scheinen mir nötig:

a) Die Identifizierung von Gott und Liebe ist unumgänglich.  Gott IST Liebe. Die Liebe ist demnach eine geistige Kraft, die die Materie antreibt, aber selbst keine Materie ist (Aristoteles: Gott als unbeweglicher Beweger).

b) Die Inversion der Liebe ist die Identifizierung der Liebe mit der Materie; und nicht der Hass – wie viele irrtümlicherweise glauben. Der Hass kann sich gegen den Geist sowie gegen die Materie richten. Da der Mensch Materie und Geist zugleich ist, ergibt es keinen Sinn, Materie oder Geist zu hassen. Letztlich ist Hass daher nur die Defizienz der Kraft in einem der beiden Elemente und nicht die ganze Inversion der Liebe.

Die Liebe weist eine kreisförmige Bewegung auf. Dank der Liebe, die hier Immanent ist, tritt das Individuum aus sich selbst heraus, folgt einem aufsteigenden Weg und in seiner Ankunft im Absoluten vereint man sich mit dem ganzen Universum. Hier die Liebe die das Individuum antreibt ist vor allem Transzendenz. Diese Auffassung der Liebe findet sich sowohl im griechischen Denken als auch im christlichen Evangelium und prägt damit die Essentiale der abendländischen Vorstellungen von der Liebe.

Man kann ihre Natur als „Trinität“ bezeichnen: Auch wenn sie drei Gestaltungen der Entfaltung erfährt, bleibt ihre Einheit untrennbar. Die Liebe erhält in jedem dieser Gestaltungen ihre Vollkommenheit. Es hängt von der jeweiligen Gestaltung ab, welche bestimmten Aspekte oder Merkmale der Liebe stärker als die anderen erscheint. Das erschwert ihre Analyse.

Die drei Gestaltungen sind:

1.      Liebe als Trennungskraft (Immanenz-, Schöpferkraft): „Erkenne DICH SELBST“, „Liebe Deinen Nächsten WIE DICH SELBST“.

Die Liebe ist erstens ein Trennungskraft. Sie verlangt von dem Individuum, den Spiegel, in dem es sich stier „anglotzt“, bei Seite lässt und stattdessen beginnt, sich im Spiegel zu betrachten, um sich zu erkennen und anzuerkennen und so in der Lage zu sein, aus sich heraus zu treten. Hier ist die Immanenz das am stärksten hervortretende Merkmal und sie erweckt die Schöpferkraft des Individuums.

Liebe ist hier die Schöpferkraft, der schöpferische Gott. Das Sein ist in sich selbst eingeschlossen und nur wegen der immanenten Kraft der Liebe, kann es sich selbst betrachten und sich dadurch bewusst werden, dass es bestimmte Fähigkeiten in sich selbst trägt, die auch noch gut sind, und empfindet den unwiderstehlichen Wunsch, diese Fähigkeiten als Schöpfung nach außen hervorzubringen. Dieser Wunsch „nach draußen zu gehen“ beruht nicht auf der Liebe zu den anderen und auch nicht auf der Liebe zur Transzendenz (Liebe zu Gott); denn jeder, der in sich selbst eingeschlossen ist, kann nur sich selbst sehen – und nicht den anderen und noch weniger die Transzendenz. Nur wenn der Mensch sich selbst betrachtend entdeckt, erkennt er seine Fähigkeiten und zwar als gute. Er beginnt, sich selbst zu lieben (Immanenz kraft) und hat den Wunsch diese Fähigkeiten, ins Außen zu bringen (Schöpferkraft). Das ist: Potenz in Handlung zu übertragen.

Die Liebe hier ist eine immanente Kraft, die in sich selbst eingeschlossene Ich aus seinem Gefängnis trennt (befreit). Diesen Prozess meint Jesus in den Evangelien, wenn er fordert, „Früchte“ hervorzubringen.

Die Inversion der Liebe als immanenter Kraft ist nicht Narzissmus. Narzissmus ist vielmehr eine täuschende Spiegelung. Das Individuum ist ja davon überzeugt, dass es außerhalb seiner selbst und seinem Gefängnis sei. In Wahrheit aber ist es immer noch in seiner eigenen Geschlossenheit gefangen (sich selbst verfehlendes stieres „Anglotzen“ des Spiegelbilds im Wasser).

Die Inversion der Liebe in der Gestaltung als immanente Trennungskraft ist Hochmut, die Hybris. Daher ist die Symbolfigur nicht Narzissus, sondern Luzifer, der Lichtträger. Anders als Narzissus vermag Luzifer aus sich selbst herauszutreten. Aber die Liebe, die ihn treibt ist nicht Liebe-Geist, sondern Liebe-Materie. Das Licht, das er bringt ist nicht das Licht der Erleuchtung, sondern nur der Schein des Glanzes. Seine Schöpfung bedeutet keine „wahre, gute, schöne, gerechte“ Schöpfung, sondern einfach nur der äußerliche Glanz der Materie.

Dieser Hochmut hat drei Konsequenzen:

a) Derjenige, der nicht durch die geistige Kraft der Liebe aus sich heraustritt, sondern geleitet von der Inversion der Liebe, das ist: durch die Liebe allein zur Materie, kann nie richtig stolz sein auf das, was er schafft, auf das Werk seiner Schöpferkraft. Er stellt nur Produkte her. Deshalb muss er immer mehr schöpfen, immer mehr machen, ohne sich auszuruhen. Das ist der Grund warum, Hochmut und „Hochaktivität“ meistens zusammen erscheinen. Ein spanisches Sprichwort sagt: „El diablo corriendo detrás de su cola” - “Der Teufel rennt seinem Schwanz nach.“

b) Derjenige, der nicht das Gute, jene geistige Kraft der Liebe, die er in sich trägt, sieht, kann auch nicht den Geist der Welt lieben. Die Kraft, die von der Liebe zur Materie geleitet ist, erschöpft im bloßen Produzieren. Die Liebe kann sich nicht weiter entwickeln und stirbt.

Deshalb ist Vorsicht gegenüber allen pseudoreligiösen und pseudowissenschaftlichen Theorien geboten, die vom Individuum verlangen, dass er sein Ich von seinem Ego trenne. Solche Theorien behaupten, dass der Mensch sein Ego töten, umbringen solle. Wer so spricht, verlangt, die Schöpferkraft des Menschen zu zerstören. Der Psychoanalytiker Jung meint, dass jeder den Dämon, den er in sich trägt, umarmen solle. Jung hat Recht: Die schöpferische Kraft hat eine dämonische (demiurgische) Seite, die mit der Bewegung, die die Liebe hervorbringt, entsteht. In der Tat: Das Übergehen von der Potenz zur Handlung bedeutet nicht nur Schöpfung, sondern auch die Aufgabe der Vollkommenheit. Statt das Ego umzubringen, soll der Mensch lernen, die Leidenschaften zu kontrollieren und gut zu führen.

c) Wenn der Mensch schöpft, so ist er Ebenbild des Schöpfer-Gottes, der gleichfalls aus sich selbst heraustrat, als Er die Welt schuf (Schelling). Wenn der Mensch selbst mit seiner geistigen Kraft schöpft, so strebt er an, dass seine Schöpfungen das Gute, das Schöne, die Wahrheit und das Gerecht in sich tragen (Platon). Wie Kandinsky treffend sagt, wahre Kunst ist mit der Kraft des Geistes geschöpft und nicht mit der Kraft des Marketings.

2.      Liebe als Richtungskraft (Kraft zum Aufbauen): „nihil a me alienum puto“, Nächstenliebe

Zweitens ist die Liebe eine aufsteigende Richtungskraft. Hierzu gehört die Nächstenliebe und die Liebe zum Aufbau. Das Individuum hat sich selbst und das, was in ihm steckt, entdeckt - und es hat das geliebt. Dank der Kraft der immanenten Liebe empfindet es den unwiderstehlichen Wunsch, dasjenige, was in der Potenz ruht, nach Außen, zum Licht zu bringen - Potenz in Handlung übertragend. Das Individuum wird dadurch zum Schöpfer.

Genau in diesem Prozess, entdeckt das Individuum den Anderen und betrachtet ihn als sein Gleicher. Diese Liebe ist keine Schöpferkraft mehr, denn der Schöpfungsakt findet immer in der personalen Einsamkeit des Individuums statt – Schöpfung ist ein absolut-individueller Akt. Liebe als Richtungskraft bedeutet Liebe zum Aufbau. Aufbau impliziert einen sozialen Akt zusammen mit Anderen. Dieser Aufbau folgt einem bestimmten Modell, das ist: eine bestimmte Richtung. Der Aufbau einer Familie, einer Gemeinde, einer Gesellschaft, einer Kultur, einer Zivilisation – all dies ist nur möglich, wenn Liebe als Richtungskraft, die eine Kraft zum Aufbauen ist, existiert. Hier erscheint und findet statt, was wir unter „Menschsein“ verstehen. Das kann – genau wie die Schöpferkraft - verschiedene Modelle annehmen. Wichtig ist: Was hier aufgebaut wird ist das konkrete und tangible Leben im Hier und Jetzt: Sitten, moralische Prinzipien, Gesetze, Staats- und Regierungsformen, Wissenschaft, Literatur, Wirtschaft.

Das ursprünglichste Beispiel der Nächstenliebe mit ihrer starken Kraft zum Aufbauen ist die Liebe zwischen zwei Menschen. Sie symbolisiert die Einheit zwischen Geist und Materie: also das, was den Menschen ausmacht. Es gibt zwei Möglichkeiten, dass diese Liebe zwischen Menschen unvollkommen und deshalb unbefriedigend ist:

a)      Wenn die Liebe zwischen zwei Menschen nur „geistlich“ ist – wie die platonische Liebe. Hier ist die Liebe unvollkommen; denn der Körper kann in diesem Zusammensein nicht teilhaben.

 

b)      Wenn die Liebe nur körperliche ist, ist sie zur Auslöschung verurteilt, weil der Körper immer begrenzt ist. Nur in der Einheit von Materie und Geist ist die Liebe zwischen zwei Menschen vollkommen.

Die Liebe zwischen zwei Menschen ist immer fordernd und anspruchsvoll. Nur wer das Gute, das er in sich selbst trägt, entdeckt hat, ist auch in der Lage das Gute in den anderen zu entdecken und zu akzeptieren. Schwierig ist die Tatsache zu verstehen, dass, auch wenn beide Menschen eine gleiche Natur besitzen, deren Ausdruck doch so verschieden ist.

Es ist in dem gemeinsamen Kind, in dem sie beide entdecken, dass es etwas Gemeinsames – eine Synthesis – gibt. Durch ihr Kind entdecken die Eltern, dass es einen Weg in Richtung Ewigkeit und Transzendenz gibt. Ihnen wird bewusst, dass eine Zukunft zum Aufbauen existiert, und dass sie dafür und folglich auch für die Zukunft verantwortlich sind.

Das Kind öffnet auch die Tür zur letzten Entfaltung der Liebe – zur Transzendenz.

Es gibt aktuell zwei ernste Probleme betreffend das Konzept „Liebespaar“, die wir angehen müssen.

Das erste ist die Erwartung einer Vollkommenheit in der Paarliebe, die die menschliche Natur übertrifft. Durch den sexuellen Akt wird eine materielle wie geistige Ekstase angestrebt, die gleichsam den Stellenwert des Absoluten einnimmt. Die wirklichen Möglichkeiten des Menschen entfliehen dadurch. Das führt das Individuum entweder zu einer febrilen und verzweifelten Suche nach der vollkommenen Liebe oder in einen depressiven und hoffnungslosen Zustand.

Das zweiten ist die Überzeugung, wonach das Individuum nur existiert, wenn es gesehen (und anerkannt) wird. So fällt das Individuum in einem unsinnigen und törichten Wettlauf, damit der andere es sieht und anerkennt, damit es – das Individuum – als solche „geboren“ und existieren kann (und darf). So etwas kann man nicht Liebe nennen. Es ist noch nicht einmal Egoismus. Es ist vielmehr die Folge der tiefen Unwissenheit, die das Individuum über sich selbst, über den anderen und über die Kraft der Liebe hat. Ein solches Individuum ist vom Lärm des Außen geweckt und in die Welt hinausgegangen, ohne sich zuvor die Zeit genommen zu haben, sich selbst zu entdecken. Deshalb sucht es, verlangt es sogar, dass der andere diese Aufgabe für es übernimmt.

Die Inversion der Liebe besteht zum einen darin, den anderen als Mittel zu benutzen. Hier wird kein Paar, keine Gemeinde, keine Gesellschaft, keine Kultur, keine Zivilisation aufgebaut, sondern nur ein System, das effizient und effektiv sein soll. Die Inversion der Liebe impliziert zum anderen die Liebe zur Macht, zu sozialem Ruhm und Status. Kurz: die absteigenden Kräfte, mit denen der Teufel Jesus in der Wüste verführt hat. Drittens besteht die Inversion der Liebe in der Versuchung hier und jetzt das Absolute zu erreichen.

3.      Liebe als Zusammenhaltkraft (Kohäsionskraft):  „Du sollst den Herren, deinen Gott lieben“.

Hier verbinden sich die Immanenz mit der Transzendenz, der Eine mit dem Anderen, der Singular mit dem Plural.

Die immanente Kraft der Liebe macht aus dem Individuum einen Schöpfer. Trotzdem sieht es, dass alles, was es schafft, immer ungenügend und begrenzt ist. Zusammen mit anderen fängt es an aufzubauen. Sie bauen immer großer, ohne sich zufrieden zu geben. Der Mensch fühlt „Sehnsucht nach mehr“ und strebt danach. Er erkennt, dass es etwas Größeres als ihn gibt.  Platons Theorie über das Schöne, das Gute, die Wahrheit und die Gerechtigkeit und über die Erinnerung des Menschen an die Welt der Idee zeigt genau diesen „Sehnsucht nach mehr“: nach der „Vollkommenheit“. Die Zusammenhaltkraft bewegt im Menschen einen unwiderstehlichen Wunsch nach der Suche der Vollkommenheit. Damit öffnet er die Tür zur Anerkennung der Existenz der Transzendenz.

Hier findet er die aufsteigende Richtung nach dem Absoluten. Folgt er dieser Richtung, fühlt er den Zusammenhang, die Verbindung, die Konnexion zwischen ihm und dem Ganzen. In diesem Moment der Entfaltung erscheinen die drei Aspekte der Liebe zusammen: Immanenz oder Schöpferkraft, Aufbaukraft oder Nächstenliebe und Zusammenhaltkraft, die eine transzendente Kraft ist, werden Eins. Der Mensch tritt aus sich selbst heraus, er schöpft, er baut auf - und entdeckt schließlich den unwiderstehlichen Wunsch, sich mit dem Absolut zu vereinen. (In einigen Religionen verschmilzt das Individuum mit dem Absoluten).

Die Zusammenhaltkraft der Liebe bewegt den Menschen dazu, dem Aufmerksamkeit zu schenken und das zu bewundern, was besser und großer als er selbst ist. Das Zittern vor dem Großen ist die Anerkennung dieser Überlegenheit. Die Zusammenhaltkraft der Liebe zeigt, dass diese Große nicht zu fürchten ist. Es geht vielmehr darum zu verstehen und zu akzeptieren, dass das Individuum kein Wesen ist, dass in sich selbst endet, sondern dass das Individuum transzendent und Teil dieses Großen und Unermesslichen ist. Kurz: „Du sollst den Herrn, deinen Gott lieben“. Letztlich meint das die Notwendigkeit, dass die Zusammenhaltkraft in Bewegung gerät, damit der Mensch nicht als Einzelner unvollkommen bleibt, sondern Teil des Ganzen wird.

Die Inversion der Liebe als Zusammenhaltkraft ist daher der Nihilismus.

 Isabel Viñado Gascón

(Ein Teil dieses Artikels erschien erstmals in MoMo PubTalk am 02.Juli, 2023)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Dienstag, 9. Dezember 2025

Krise

 

Alle Krisen sind durch drei gemeinsame Merkmale gekennzeichnet. 

Erstens: Jede Krise ist ein Zustand, eine Situation, - geometrisch bezeichnet ist die Krise eine Linie. Diese Eigenschaft unterscheidet eine Krise von einem Schock. Der Schock ist im Gegensatz zu einer Krise ein Moment, ein Punkt. Es ist möglich, dass dieser Moment den Anfang einer Krise bedeutet; genau wie ein Punkt der Beginn eine Linie sein kann. Nicht jeder Schock aber verursacht eine Krise. Das hängt von der Stärke des Schocks, der Stärke des Menschen, der ihm empfängt, und von den Umständen ab. 

Zweitens: Jede Krise ist ein Zustand, der durch ein Dilemma gekennzeichnet ist: entweder/oder. Entweder findet man eine Lösung oder nicht. Die Auflösung dieses Dilemmas wird entweder der Krise ein Ende setzen, wenn man die Lösung für das Problem findet (eine Erlösung), oder – falls es keine Lösung gibt oder man keine Lösung findet -, wird sich diese Krise in eine chronische Krise, das ist in eine stationäre/stabile Situation, verwandeln. In diesem Fall bleibt nur die Akzeptanz übrig. Stoizismus als Fassung und Duldung, Hedonismus als Vergessen, Zynismus als maskierte Verzweiflung sind einige mögliche Arten, in denen die Akzeptanz sich ausdrückt. 

Drittens: Jede Krise besitzt eine objektive und eine subjektive Seite. Um eine Krise korrekt überwinden zu können, müssen beide Aspekte berücksichtig werden, ohne dass einer von beiden über den anderen vorherrscht. Herrscht die objektive Seite vor, kann es sein, dass der Mensch sein Herz für sich und für die anderen verliert. Herrscht die subjektive Seite vor, ist es möglich, dass der Mensch, der unter einer Krise leidet, als Gefangener im Gefängnis des Selbstmitleids verharrt.

Es gibt verschiedene Arten von Krisen: Wirtschaftskrise, Alterskrise, Existenzkrise, Gesundheitskrise, berufliche Krise, Karrierekrise, ideologische Krise, religiöse Krise… Die Intensität kann auch variieren.

Eine Krise kann auch andere Krisen auslösen. Zum Beispiel: Eine Wirtschaftskrise kann eine Krise in dem Freundschaftskreis auslosen, eine Beziehungskrise kann eine Existenzkrise provozieren.

Die Existenzkrise ist eine „radikale Krise“. Die Auflösung des Dilemmas „entweder/oder“ kann man in diesem Fall als dramatisch bezeichnen. Entweder findet das Individuum eine Lösung oder die Krise wird sich in einer chronischen Situation mit schlimmen Konsequenzen fortsetzen: Das Individuum könnte in eine Depression verfallen oder sogar Selbstmord begehen. Es ist in der Existenzkrise, wenn der Glaube an Gott oder an ein transzendentales erstes Axiom (der Mensch) seine Bedeutung hat. Diejenigen, die an Gott oder an ein transzendentales erstes Axiom glauben, betrachten das Leben als Geschenk und als Möglichkeit – als eine Wanderung. Im Allgemeinen zeigen die wahren Gläubige mehr Resilienz in einer Krise.

Neben der Individuellen Krise existiert auch noch die Gesellschaftskrise. In solchen Situationen verhält sich die Gesellschaft wie ein Individuum: entweder findet sie eine Lösung für die Krise (Einführung von bestimmten Reformen in dem System, die funktionieren), oder die Krise wird zu einer chronischen Situation. Eine chronische depressive Situation in der Gesellschaft heißt „Stagnation“, Es kann sogar Selbstmord werden. Selbstmorde einer Gesellschaft sind „Revolution“, „Bürgerkrieg“ oder „Eroberungskrieg“.

Es ist wichtig zu akzeptieren, dass das Leben immer in der Krise ist, einfach weil das Leben von Anfang an aus diesem radikalen „Entweder Leben oder Tod“ besteht. Fatalismus ist die Lösung, die viele anwenden, um eine Krise zu bewältigen. Meiner Meinung nach ist diese Lösung falsch. Die Menschen und die Gesellschaften sollen verstehen, dass solange sie am Leben sind, sie ein Sieg über den Tod sind. Dieses „am Leben sein“ (und nicht nur „am Leben bleiben“) soll, wie Albert Schweitzer sagte, „optimistisch und ethisch sein“. Fatalismus raubt uns beide Elemente.

Isabel Viñado Gascón.

(Dieser Artikel erschien erstmals in MoMo PubTalk am 16. Februar, 2025)

Kommunikation

 

„Er wollte mit sich sprechen, aber er konnte nicht, er wagte kaum zu atmen“ „Lenz“ von Georg Büchner.

Das ist der traurigste Satz, den ich je gelesen habe. Man kann Georg Büchner als Vorläufer der Postmoderne verstehen. Gott ist noch nicht für tot erklärt worden, aber die Religion bedeutet immer weniger eine Säule - weder für die Gesellschaft, noch für das Individuum selbst. Die Konsequenzen, die daraus entstehen, darf man nicht übersehen. Postmoderne heißt die Auflösung der Grenzen, aber leider auch die Unmöglichkeit der Kommunikation des Menschen mit sich selbst, weil die Entfremdung des Individuums, die der Tod Gottes für ihn nicht nur eine Entfremdung gegenüber der Welt, sondern auch gegenüber sich selbst bedeutet. Die Technologie wird ein zusätzliches Element für diese Entfremdung werden, aber sie ist nicht ihre wahre Ursache.  

Die Tatsache, dass das Individuum noch nicht einmal mit sich selbst kommunizieren kann, kann es in die Arme des Kollektivismus treiben. Kollektivismus bezeichnet jene Orte, wo das Individuum seine tiefste Entfremdung und Einsamkeit, - und zwar eine Einsamkeit, der die Eins fehlt -, und wo er gleichzeitig die Tore zu verschiedenen Totalitarismen öffnet: eine der extremsten Formen der falschen Kommunikation.

Kommunikation ist Übermittlung von Information. Es ist gleichgültig, ob diese Information über Gedanken, Meinungen, Tatsachen, Träumen oder Gefühlen handelt.

In der Kommunikation gibt es vier Elemente. Das erste ist der Sender, das zweite der Empfänger und das dritte die Information, die man kommuniziert. Das vierte Element und der sind die Kanäle für ihre Übermittlung.

Die Kanäle sind zunächst die fünf Sinne. Manche sprechen überdies von übersinnlichen Wahrnehmungen, wie Telepathie - aber das führt uns zu weit.

Der Sender muss nicht notwendigerweise menschlich sein. Ein Stein aus den Bergen, der Meeresfossilen enthält, „erzählt“ dem Forscher, dass dieses Gebirge einst vom Meer bedeckt war.

Ich habe „Forscher“ gesagt, denn Voraussetzung der Kommunikation ist nicht nur, dass der Sender die Information übermittelt, sondern auch, dass der Empfänger die Information richtig verarbeitet kann – also sein Verstehenshorizont. Ein Mensch, der nichts von Fossilen versteht, kann diese Information noch nicht einmal sehen.

Eine erste Bedingung für eine richtige Kommunikation ist, dass der Empfänger die Information verstehen kann.

Eine zweite Bedingung ist, dass der Empfänger die Information des Senders analysieren, kontrastieren und bestätigen kann (und darf). Das verlangt von dem Empfänger nicht nur die notwendigen Kenntnisse, die die erste Bedingung forderte, sondern auch einen „kalten Kopf“ sowie zugleich einen hohen Grad der Empathie.

Man benötigt einen kalten Kopf in dem Sinn, dass der Empfänger frei von Ideologien, Vorurteilen und eigenen Träumen, eigenen Wünschen und eigenen Hoffnungen sein soll.

Man benötigt einen hohen Grad der Empathie, um nicht nur die oberflächliche Struktur der Information, sondern auch die „Tiefenstruktur“ dieser Information registrieren (wahrnehmen) zu können.

Ich spreche von oberflächlicher und tiefer Struktur in dem Sinn von Ferdinand de Saussure - ich möchte aber auch das psychologische Feld mitumfassen, damit man Phänomene wie Manipulation, Lügen, Propaganda, berücksichtigt werden können.

Eine logische dritte Bedingung ist Bildung und Freiheit.

 

Es gibt drei extreme Möglichkeiten von Kommunikationslosigkeit.

-          Entfremdung. Kein Verständnis zwischen Sender und Empfänger. Der Forscher der Natur, zum Beispiel, hat eine tiefere Kommunikation mit der Natur als der Laie. Ein Symbol hierfür ist auch „Babel“. Entfremdung trifft aber auch auf den und auch auf den Menschen in der Postmoderne zu.

-          Totalitarismus. Ohne Freiheit kann (darf) der Empfänger kein kritisches Urteil bilden. Er kann (darf) nicht analysieren, und deshalb kann (darf) er auch keine Antwort von sich geben. Die Kommunikation findet nur in einer – und zwar von der totalitären Macht gebilligten - Richtung statt.

-          Überfluss an Information. Wenn die Information so zahlreich und folglich so unüberschaubar ist, dass es für den Empfänger unmöglich ist, diese Menge an Information zu analysieren. Allein der Spezialist in seinem Fachgebiet vermag sich noch „zurecht zu finden“. Wittgensteins Satz „Worüber man nicht sprechen kann, darüber muss man schweigen“ wird daher für fast jede Sphäre in dieser Welt gültig und nicht nur in der Welt der Metaphysik.

Meine Fragen am 09.12.2025: Kommunikation: Welche Art von Kommunikation? Ist Kommunikation ohne die Existenz des Logos möglich? Ist Kommunikation möglich, wenn das Logos frakturiert ist? Ist Kommunikation möglich, wenn der Logos in Wortspiele zerlegt worden ist, die fälschlicherweise und absichtlich als „Perspektiven“ bezeichnet und vorgestellt sind? Bemerkung: Derrida hat der Logos als Tot erklärt, genauso wie Nietzsche Gott erklärt hat. Weder Nietzsche hat Gott umgebracht, noch Derrida tötete den Logos. Andere sind die Mörder,

Isabel Viñado Gascón

(Dieser Artikel erschien erstmals in MoMo PubTalk am 12.Februar.2023)

 

 

 

 

 

Was heißt es „ich“ zu sagen?

 

Ist das „Ich“ nur Materie?

Ist das “Ich“ nur die reine Perzeption eines Körpers, mit physischen Instinkten und Bedürfnissen, die befriedigt sein wollen und müssen? Bedeutet die Intelligenz des „Ich“ nichts anderes als ein höheres Stadium der Evolution? Ist das „Ich“ ein rein animalisches Wesen, Teil eines Rudels, einer Herde, innerhalb der Natur, dessen Hauptziel es ist sich als Alfa Tier durchzusetzen? Was bedeutet für dieses „Ich“ ein „Du“? Einfach eine „Beute“ ein „Rivale“ oder eine „Unterstützung“? Ist Empathie nur möglich, wenn die Interessen von diesem „Ich“ nicht verhindert werden? Soll dieses „Ich“ nur dem Gesetz der Natur folgen, und die darwinistischen, Malthusianer Konzepte übernehmen? Das starke „Ich“ gewinnt.

Wenn das schwache „Ich“ den Lauf des „Ichs“ und der „Herde“ verhindert, soll dieses „Ich“ entweder getötet werden, oder mit anderen „Schwachen“ zusammengestellt werden, damit dieses „schwache Ich“ nicht das „stärkere Ich“ stört? Was bedeutet „starkes Ich“, was bedeutet „schwaches Ich“? Bedeutet es, dass das Starke „Ich“ lebt, der stärkste „Ich“ herrscht, und das schwache Ich, einfach nur überlebt? Der Kampf nach draußen ist gegen anderen starke „Ich“, nach drinnen kämpf das „Ich“ ständig gegen sich selbst um immer stärker zu werden.

Ist das „Ich“ ein Körper, der ähnlich wie eine Maschine seine Funktion erfüllt? Ist ein „Ich“ ein „Ich“, nur wenn er funktioniert? Soll ein „Ich“ zwischen ein „gut funktionierendes ich“ oder „schlecht funktionierendes ich“ unterschieden werden? Wem und Wozu dient diese Funktion?  Ist diese Funktion immer in Zusammenhang mit einer Interfunktion mit den anderen „ich“, die komplexer wird, je größer die Gesellschaft wird?

Ist das „Ich“ ein Sozialprodukt, das aus der Sozialinteraktion, mit den anderen „sozialen Ich“ resultiert? Was bedeutet diese Interaktion? Wer entscheidet die Hauptlinien dieser Interaktionen? Ist das „Ich“ ein Sozialprodukt, das selbst auch produziert? Ist das „Ich“ ein rein ökonomisches Wesen?

Ist das „ich“ nur Geist?

Ist das „Ich“ nur ein spirituelles Wesen in einem spirituellen Universum, dessen Körper ein Gefängnis ist, eine Art Strafe, weil dieses „Ich“, egal aus welchen Gründen, aus der höheren Ebene gefallen ist? Soll „Ich“ immer auf den Geist achten und nicht auf den Körper, wenn dieses „Ich“ sich retten will? Ist es nur verantwortlich für seine eigene Rettung oder ist es auch verantwortlich für die Rettung der anderen? Bedeutet das „Ich“ eine Trennung zwischen Körper und Geist? Darf man zwischen Intelligenz und Vernunft unterscheiden, so dass, die Intelligenz zu dem Körper, und Vernunft zu dem Geist gehört? Bleibt seinerseits der Geist zwischen Vernunft und Gefühle zerrissen?  Ist ein „Ich“ nur ein wahres „Ich“, wenn er die Probe des Lebens besteht und nach dem Tot eine Einheit mit der höheren Ebene wird? Bedeutet das Leben nur einen ständigen Kampf zwischen dem „Materiellen Ich“ und dem Geist des Bösen einerseits und dem „Spirituellen Ich“ und dem Geist des Guten, auf der anderen? Ist das „Ich“ von anderen kosmischen Präsenzen, gute oder schlechte, umgeben? Ist das „Ich“ nur von diesen kosmischen Präsenzen beeinflusst? Gibt es verschiedene Dimensionen? Gibt es Parallele Welten?  Kann dieses „Ich“ durch Magie und Wissenschaft die Kräfte des Universums studieren, verstehen und selbst beeinflussen? Ist das „Ich“ nur ein wahres „Ich“, wenn er auf sich selbst verzichtet und sich in Gottes Hand einlässt? Ist das „Ich“ nur ein wahres „Ich“, wenn das „Ich“ von einem anderen „Ich“ als wahr betrachtet werde, das heißt: wenn das „Ich“ von einem anderen „Ich“ anerkannt werde? Existiert eigentlich das „Ich“ nur wenn er von anderen „Ich“ gesehen wird? Muss dieses „Ich“ ein anderes physisches „Ich“ sein? Kann ein anderes Wesen sein? Ein Wesen aus einem anderen Planeten, aus einer anderen Dimension, ein „Ich“ namens Gotts?

Das sind die radikale gnostische, neoplatonische Lehre, magische, christliche und sogar Quant Positionen.

Welchen Unterschied gibt es zwischen einem „Ich“, das gegen den körperlichen Tod kämpft und einem „Ich“, das gegen den spirituellen Tod kämpft? Welchen Unterschied gibt es zwischen einem „Ich“, das seine inneren Fähigkeiten zu verstärken versucht, damit es mehr Chancen bekommt in der Natur und in der Gruppe zu überleben und einem „Ich“, das sein Inneres verstärkt um eine höhere Position im Universum zu erreichen? Sogar eine mögliche Einheit und Verschmelzung mit ihm.

Stimmt eine materialistische Position mit einer gnostischen Position überein? Sind wir Atomen oder Monaden? Existiert diese Übereinstimmung nur im Inhalt, aber nicht in der Richtung des Logos? Das heißt: Ist der materialistische Logos einfach die Inversion des gnostischen Logos?

Ist das „ich“ ein dualistisches Wesen?

Ist das „ich“ ein soziales Wesen in Bewegung, innerhalb eines Universums das auch in Bewegung ist dank einem Bewegungslosen Motor, das sich bewegt ohne sich selbst zu bewegen? Ist dies der Grund für das Bewegen des Körpers und der Seele? Und wenn der Körper stirbt, stirbt dann auch die Seele? Nach Ansicht von Aristoteles ist dies der Fall.

Ist das „ich“ eine Trennung zwischen Körper und Geist? Ist der Körper nur eine Maschine, wie bei Descartes?

Wandert das „ich“ zwischen Aberglauben und Robotik? Oder sind das nicht vielmehr zwei Seiten einer selben Münze? Ist das „Ich“ eine Einheit oder ist es rein „Situativ“? Was gibt dem „ich“ seine Einheit? Das Gedächtnis? Besitzt das „Ich“ ein Gedächtnis das früher als die Geburt anfängt, oder ist das Gedächtnis nur ein Teil seiner intellektuellen Fähigkeiten? Ist das „ich“, wie bei Fichte ein Absolutes ich in Vergleich zu der Welt, die ein Nicht-Ich ist? Ist ein Ich immer eine Beziehung?

Ist das „Ich“ ein einsames, solipsistiches Wesen? Ist ein „ich“ unmittelbar, in sich selbst geschlossen, unverständlich sogar für sich selbst? Ist ein „Ich“ Frei oder nicht? Gibt es ein ethisches Ich oder nur ein legalistisches?

Persönlich betrachtet, fühlt sich mein „Ich“ körperlich und geistlich als Teil eines gebundenen Universums an und glaubt an die Existenz eines Ersten Prinzips, Axioms, oder wie auch immer man es nennen möchte. Bei meinem Ich bleiben Vernunft und Gefühle unzertrennlich. Das macht mich, gebe ich zu, nicht stärker und auch nicht schwächer. Es schafft aber eine Einheit in mir selbst und mit mir selbst, und verbindet mich mit anderen Wesen. Ich glaube, dass wir bestimmte Merkmale mit den Tieren teilen, aber wir sind nicht nur Tiere. Tiere haben nur Instinkte. Wir haben Instinkte und Passionen. Passionen sind weder gut noch schlecht. Es kommt darauf an, welche Konsequenzen sie generieren. Die Tiere haben Strategien, wir haben Strategien und das menschliche Denken, das untrennbar ist mit der Imagination und der Reflexion. Tiere träumen. Wir träumen und haben Träume. Das „Ich“ als solches bleibt eine Aufgabe für einige, ein Experiment für andere, und für viele nur ein rein situatives Erlebnis.

Isabel Viñado Gascón

 (Dieser Artikel erschien erstmals in MoMo PubTalk am 29.03.2020)

 

Heldentum

 

Wie wir alle wissen, ist der Held in der griechischen Mythologie ein Hybrid von Gott und Mensch.  Nietzsche versteht den Begriff des Helden als die Möglichkeit an zwei Welte teilzunehmen, ohne in einer von beiden ganz aufzugehen. Nietzsche bezeichnet bekanntlich diese Welten als apollinisch und dionysisch. Jedoch bedeutet zwischen zwei Welten zu sein, keiner anzugehören. Das heißt: entwurzelt, ein „Johann ohne Land“ zu sein.

Die Bedeutung des Helden lag darin, der Träger der Hoffnung für eine Gruppe, für die Gesellschaft, für die Welt zu sein. Die Kehrseite der Münze ist die Figur des Märtyrers, der Mensch der für eine Sache stirbt.

Vielleicht waren diese zwei Probleme Nietzche bewusst: Entwurzelung des Helden und die Gefahr des Märtyrertums. Vielleicht war dies der Grund, warum er die Figur des Helden Prometheus die in seinem ersten Werk „Die Geburt der Tragödie“ erscheint, in seinem zweiten Buch „Vorteil und Nachteil der Historie für das Leben“ aufgegeben und durch die Figur der Jugend ersetzt wurde. Nach Nietzsche ist es die Jugend die Hoffnungsträger der Gesellschaft. Die Jugend, sagt Nietzsche ist die Einzige, die wegen ihrer Ehrlichkeit die Gesellschaft von ihrer Dekadenz retten kann.

Leider löst Nietzsche damit nicht das Problem des Heldentums. Der einzige Unterschied besteht darin, dass er den individuellen und einsamen Held, - Prometheus -, in einen kollektiven Held, - die Jugend -, umgewandelt hat. Uns allen ist bewusst, wozu eine Gesellschaft einen kollektiven Helden benötigt. Wenn wir gerade festgestellt haben, dass der individuelle Held ein Märtyrer werden kann, so können wir jetzt festhalten, dass ein kollektiver Held ein Opfer sein könnte, das für eine Sache stirbt, ohne Wurzeln in der vorherigen Generation zu finden, um wenigstens dort eine Unterstützung zu haben. Der Held, individuell oder kollektiv betrachtet, ist immer entwurzelt und in der Gefahr.

In „Die Geburt der Tragödie“ stellt Nietzsche Prometheus als Held im Gegensatz zu Adam – der listiger, sagt Nietzsche. Meiner Meinung nach, wäre es angemessener Prometheus Herkules gegenüber zu stellen. Hier ein Prometheus -der den Göttern gegenüber ungehorsam ist, und ihnen das Feuer stiehlt, um den Menschen zu helfen; dort ein Herkules, den Göttern gehorsame Held, die zwölf Aufgaben ausführt, die ihm aufgetragen sind. Die Schmerzen, die die beide aus verschiedenen Gründen ertragen müssen, sind heftig. Allerdings erhält Herkules, der Gehorsame, nur dank Heras Mitgefühl die Unsterblichkeit.

Wir stellen fest, dass das Schicksal des Helden, der frei und unabhängig handelt, nicht dasselbe ist wie das des Helden, der die Befehle der Götter befolgt.

Diese Botschaft ist vielleicht diejenige, die jede Diktatur aussendet. Im Fernsehen und auch auf den Werben monitoren in der U-Bahn sieht man Menschen, die Helden sind, weil sie ihre Aufgaben im Beruf erfüllen. Die Erfüllung der Aufgabe ist ihr Schicksal und ihr Beitrag zum Schicksal der Nation. Selbst wenn sie kleine technische Pannen beheben sind sie heroisiert dargestellt.

Das ist der Grund, warum keine Diktatur (egal welche Art von Diktatur) schaffen kann, was sie eigentlich verfolgt: eine Gesellschaft der Helden. Was die Diktaturen stattdessen schaffen sind entweder narzisstischen Systemen (kollektiver Narzissmus, wie nationale Größe) – wo jeder sich selbst als Helden sieht, weil wenn er einem alltäglichen Problem löst, davon überzeugt ist, dass er damit zur Größe der Nation beiträgt – oder in einem waghalsigen und todesmutigen Kommando, bereit ist, für die Große der Nation zu sterben.

Hier möchte ich an zwei Gedankengänge erinnern:

1.      Wie Brecht in einer seiner Gedichte geschrieben hat: ein Toter ist ein Toter und riecht schlecht.

2.      Wie die Helden - die frei und alleine kämpfen für das, dass sie als wesentlich und essentiell betrachten - sagen: Jeder Mensch wird sterben; entscheidend ist aber, wofür er stirbt.

Held-sein bedeutet keinen Titel, kein Amt. Held-sein ist weder eine Pflicht noch eine Verantwortung; noch viel weniger bedeutet Held-sein ein Schicksal.

Held-sein bedeutet, aus einer freien und fundamentalen persönlichen Überzeugung heraus zu handeln, frei von Gefühlsduseleien Manipulationen und propagandistischen Narrativen.

In Zeiten wie unserer, in denen ein auf sich gestellter Mensch kaum überleben kann vermag ich nicht daran zu glauben, dass Helden existieren können. Es gibt aber Menschen, die sich dafür entscheiden für eine Sache zu kämpfen und sogar zu sterben, unabhängig davon, ob sie von einer Gruppe, einem Narrativ, eine Ideologie manipuliert sind oder nicht. Ob jemand ein Held oder eher ein verführter Mensch ist, entscheiden die Götter. Das heißt: die Mächtigen.

Isabel Viñado Gascón

 (Dieser Artikel erschien erstmals in MoMo PubTalk am 28.04.2024)

 

 

Gott

 

Jede Kultur drückt die Idee von Gott auf ihre eigene Art aus. Meine Religion und meine Erziehung sind christlich. Meine Bildung ist philosophisch.

1.Gott ist eines von zwei absoluten Prinzipien: das Gute und das Böse. Beide sind absolute Prinzipien, auch wenn nicht gleich, weder in Bedeutung noch in Kraft. Der Weg (Logos), der zu ihnen führt, ist ein und derselbe. Das ermöglicht die Inversion. Die Richtung aber ist anders. Das Herz - das dritte Auge – sieht und hört den Geist des Absoluten Prinzips „das Gute“. Jede Religion, auch die östlichen, enthält die Figur des befreienden Aufstiegs. Was die verschiedenen Religionen unterscheidet, ist der Weg um das zu erreichen. Die Existenz der zwei absoluten Prinzipien bedeutet keinen strikten Dualismus; auch nicht im Christentum. Begründung: a) Der christliche Gott ist trinitarisch. b)  Zum einen kommt das absolute Prinzip „das Böse“ (Luzifer) aus dem Himmel und es findet sich auch im Paradiesgarten (Schlange). Zum anderen steigt Jesus in die Hölle hinab. Beide Tatsachen machen es möglich, das Christentum sich ähnlich wie Ying/Yang vorzustellen.

2.Die Existenz des ersten Axioms, des ersten Prinzips, bedeutet: a) dass jede Ebene der Realität miteinander verbunden ist. Sie alle gehen von ihnen (den ersten Prinzipien) aus und kehren zu ihnen zurück. Daher stammt die Idee, dass "alles mit allem verbunden ist". Diese Verbindung kann sowohl vom absoluten Prinzip „das Gute“ als auch vom absoluten Prinzip „das Böse“ ausgehen. Die Konsequenzen werden selbstverständlich unterschiedlich sein. b) Jedes ethische und moralische System kann nur eine wahrhaft logische Kohärenz erreichen, wenn es auf einem Ersten Axiom beruht (das Gute oder das Böse).  Eine Person kann ethisch verantwortlich sein, auch wenn sie keines von beiden akzeptiert. Dennoch zeigt Nietzsche: a) Ohne das erste Axiom „das Gute“ bleibt dem Menschen nur das Nichts. Das bedeutet, b) dass die Menschen allein und ohne Hilfe das Schwert der absoluten Freiheit ergreifen müssen. Das erfordert, ein Übermensch zu sein. Meiner Meinung nach hat der Mensch das noch nicht erreicht; auch keine beschleunigte Evolution (Transhumanismus) wird es ihm ermöglichen, das zu erreichen.

3.Das absolute Prinzip „das Gute“ nennen wir Gott. Er ist Alpha und Omega. In doppelter Hinsicht. a) Alle logischen Strukturen beginnen in Ihm und enden in Ihm. Dieser Kreis ist eine Reise und wie jede Reise, Widrigkeiten unterworfen (Odysseus). b) Gott ist Anfang und Ende der Bewegung, der Zeit und der Geschichte. Er ist der Motor, von dem Aristoteles sagt, dass er bewegt, ohne bewegt zu werden. Als Gott die Welt erschuf, begannen Zeit und Geschichte.

4. Keines der beiden absoluten Prinzipien kann in die Welt kommen. Sie bleiben außerhalb. Wenn Gott in die Welt kommt, werden die Welt, die Geschichte und die Zeit aufhören. Deshalb ist es sinnlos von absoluter Perfektion/Unvollkommenheit, absoluter Freiheit/Versklavung, absoluter Liebe/Hass zu sprechen.

5.Der Geist, der in der Welt ist, ist der Geist des absoluten Prinzips „das Gute“: Gott. Gott führte seinen Geist in die Welt mit dem schöpferischen Akt der Erschaffung der Welt ein. Deshalb ist sein Geist in allen Dingen, sogar in den Steinen. Der Geist ist nicht gefallen. Der Geist ist einfach da. Das Herz (das dritte Auge) ermöglicht es dem Menschen, den Geist Gottes zu sehen und zu hören, der in ihm wohnt. Das macht aus keinem Individuum ein Gott. Das Herz sieht die Bindung - die Nabelschnur- die das Individuum mit Gott verbindet. Einige nennen den Gottes Geist „Harmonie“, andere Gerechtigkeit, in alten Ägypten „Ma`at“. Das absolute Prinzip „das Böse“ kann keinen Geist in die Welt einführen. Was es dagegen kann, und auch macht, ist, dass es das Herz verblendet und verstummt, sodass das Individuum nicht mehr in der Lage ist, den Geist Gottes in sich zu sehen und zu hören.

6.Jesus ist Gott, der Mensch geworden ist. Jesus ist die Konkretion des Absoluten „Gott“. Jesus ist kein Held im griechischen Sinne. Jesus hat zwei volle Naturen: die göttliche Natur und die menschliche Natur. Sie können weder geteilt noch verschmolzen werden, aber sie können auch nicht getrennt werden. Auf die gleiche Weise besitzt auch der Mensch zwei Naturen: die des Körpers und die der Seele. Wenn der Mensch aufersteht, aufersteht er in Körper und Seele. Dies ist Jesus erste Lehre.

7.Der Glaube ist die An-erkennung, dass der Geist in allem von Gott Geschaffenem ist. Gleichzeitig erinnert der Glaube das Individuum an seine Verbindung mit Gott. Der Glaube rettet den Geist nicht, denn der Geist Gottes braucht nicht gerettet zu werden. Der Glaube rettet - im Sinne von heilt -das kranke Herz des Menschen. Nur das geheilte Herz kann wieder den Geist Gottes, der im Menschen wohnt, sehen und hören. Jesus verdeutlicht mit seinem Tod, dass der Geist Gottes in jedem von uns in jedem Moment, in jeder Situation und an jedem Ort präsent ist; sogar in der Hölle. Niemand muss kommen, um uns zu retten. Wir selbst schaffen es allein und ohne Hilfe aus der Hölle heraus zu kommen, wenn das blinde und taube Herz dank des Glaubens wieder den Geist Gottes sehen und hören kann. Das ist Jesus zweite Lehre, die die Menschheit gerettet hat. Der Glaube heilt das Herz, garantiert jedoch nicht das Eintreten in das Himmelreich. Allein Gott gehört diese Entscheidung. Nach dem Verlassen der Hölle kommt Jesus zuerst in die Welt zurück. Das ist seine dritte Lehre.

8.Freiheit des Handelns. Gott lässt dem Menschen die Freiheit des Handelns, weil Gott, der frei schöpft, den Menschen nach seinem Bild und Gleichnis erschuf. Was in der Szene des Eden zu sehen ist, ist der Versuch des Absoluten „das Böse“, Gott zu beweisen, dass Gott eine große Dummheit beging als Er den Menschen, diese untergeordneten Wesen, die Handlungsfreiheit gab. Gott vertreibt den Menschen aus Eden, aber Er bewahrt ihm seine Handlungsfreiheit, weil Gott weiß, dass in den Menschen Sein Geist bleibt; dass das Herz Ihn sehen und hören kann und dass der Glaube das gesunde Herz heilt. Dagegen ist das absolute Prinzip „das Böse“ diktatorisch, despotisch und duldet dem Menschen weder Freiheit noch klare Entscheidung. Aus diesem Grund blendet das Böse das Herz des Menschen.

Isabel Viñado Gascón

 (Dieser Artikel erschien erstmals in MoMo PubTalk am 25.05.2025)

 

 

Gewalt.

 

1.      Die Struktur der Gewalt zeichnet sich dadurch aus, dass sie ausgrenzend ist: „Entweder Du oder Ich“.

Es besteht keine Möglichkeit zwischen dem Element „Du“ und dem Element „Ich“

 einen inklusiven Konnektor „und“ zu etablieren.

2.      Die Natur der Gewalt ist fließend.

Deshalb ist es so schwierig, Gewalt zu bremsen und einzudämmen. Das ist auch der Grund, warum die meisten Experten von „kanalisieren“ und „sublimieren“ (was eigentlich eine andere Art des Kanalisierens ist) sprechen. Das heißt: Gegenüber der Gewalt geht es vor allem darum, Grenzen zu setzen, die die zerstörerischen Auswirkungen der Gewalt angemessen vermeiden.

3.      Der Ursprung der Gewalt liegt in zwei möglichen Ursachen.

a)      Streben nach Macht.

In diesem Fall, auch wenn beide Elemente „Du“ und „Ich“ am Leben bleiben, wird eines von diesem Leben der Herr sein, während das andere Leben einfach eine reine Existenz, dass dem anderen gehört. Dieses Leben gehört dem „Du“, nicht dem eigenen „Ich“.

b)     Das Überleben (Das eigene Überleben)

Dieses „eigene“ kann das individuelle Überleben ebenso wie das Überleben der eigenen Familie, des eigenen Clans und Volkes implizieren.

Die verbreitete Meinung vieler aktueller Experten, wonach der Ursprung der Gewalt auch im Drogenkonsum, in der Einsamkeit und in den psychischen Erkrankungen liegt, ist schlichtweg falsch. Der Zusammenhang ist inkorrekt.

Wenn psychische Erkrankungen und Drogen Gewalt erzeugen, dann nur deshalb, weil der Verstand in einem Zustand der Verwirrung und Verzerrung der Realität versunken ist, der ihn auf eine der beiden einzigen bestimmenden Ursachen von der Gewalt führt. Das heißt: Entweder denkt das Subjekt, dass es sich wirklich in Gefahr befindet, oder es ist überzeugt, dass es auserwählt ist, die Macht zu übernehmen und auszuüben.

4.      Wenn es um die Anwendung von Massengewalt geht, ist Gewalt die Energie, die jedes einzelne Element mit dem anderen nicht nur verbindet, sondern sogar eint.

Die individuelle Energie passt sich den anderen individuellen Energien an und vereint sich mit ihnen, so dass aus der chaotischen und konfusen Masse ein organisches und koordiniertes „Über-Ich“ entsteht. In diesem organischen und koordinierten „Über-Ich“ ist jedes Element wie ein Tropfen in einem zerstörerischen fließenden Strom, der kaum zu „kanalisieren“ ist. Ihn zu bremsen, ist fast ein Ding der Unmöglichkeit.

Deshalb ist es so schwierig, in solchen Situationen nicht nur die Ruhe, sondern vor allem die eigene Persönlichkeit zu bewahren. Hier empfehle ich die Lektüre von „Die Nashörner“ von Ionescu.

5.      Die Gewalt denkt nicht. Sie entwickelt nur Strategien.

Im Denken zielen Verstand und Gefühl auf die Erreichung der „Vernunft”.

In einer Strategie zielen Verstand und Gefühl auf die Erringung des „Sieges“.

a)      Denken:                                    Verstand + Gefühl = Vernunft

b)     Strategien der Gewalt:           Verstand + Gefühl = Sieg

 

6.      Gewalt kann physisch und psychisch sein.

Physische Gewalt ist eher in vortechnologischen Gesellschaften präsent.

Psychische Gewalt ist eher typisch in technologischen Gesellschaften. Selbst Humor ist eine Waffe, die in diesen Bereich gehört.

Totalitäre Systeme kommen mit physischer Gewalt an die Macht und behalten sie mit Hilfe der psychischen Gewalt.

Krieg ist totale Gewalt.

7.      In einer Situation, in der Gewalt herrscht, ist es das Komplizierteste festzustellen, wer das Opfer, das sich zu verteidigen sucht, und wer der Angreifer ist. Der Angreifer, der seine Beute verschlingen will, ist nicht dasselbe wie die Beute, die sich von dem Angreifer zu befreien versucht.

Es ist unmöglich, dass Gewalt verschwindet.

Da die Gewalt eine fließende Natur besitzt, wird sie umso starker wirken, je mehr sie eingedämmt wird. Das Wichtigste ist also, wie man es schafft, die Energie, die die Gewalt in sich trägt, zu kanalisieren, sublimieren und sie richtig zu führen.

Die Mittel, die man normalerweise hierfür nutzt, sind Wettkämpfe, Spielen und Sport. Damit diese „Kämpfe“ ihre Zwecke erfüllen, Gewalt aufzuweichen, müssen sie transparent, ehrlich und frei von Korruption sein. Das bedeutet nicht, dass alle Teilnehmer oder Konkurrenten dieselbe Position oder dieselbe Benotung bekommen. Man darf nicht vergessen, dass die Gewalt immer ihre ausgrenzende Struktur „entweder Du oder Ich“  bewahrt. Alle diese Wettbewerbe setzen die Existenz der Meritokratie mit den gleichen Wettbewerbedigungen voraus. Wichtig ist, dass die Teilnehmer erkennen, dass der Wettbewerb fair ist, damit die Gewalt effektiv kanalisierbar ist.

8.      Rache entsteht, wenn das Dilemma „entweder Du oder Ich“ nicht gelöst wurde.

       Isabel Viñado Gascón.

 

 

 

 

 

 

9.      Die Struktur der Gewalt zeichnet sich dadurch aus, dass sie ausgrenzend ist: „Entweder Du oder Ich“.

Es besteht keine Möglichkeit zwischen dem Element „Du“ und dem Element „Ich“

 einen inklusiven Konnektor „und“ zu etablieren.

10.  Die Natur der Gewalt ist fließend.

Deshalb ist es so schwierig, Gewalt zu bremsen und einzudämmen. Das ist auch der Grund, warum die meisten Experten von „kanalisieren“ und „sublimieren“ (was eigentlich eine andere Art des Kanalisierens ist) sprechen. Das heißt: Gegenüber der Gewalt geht es vor allem darum, Grenzen zu setzen, die die zerstörerischen Auswirkungen der Gewalt angemessen vermeiden.

11.  Der Ursprung der Gewalt liegt in zwei möglichen Ursachen.

c)      Streben nach Macht.

In diesem Fall, auch wenn beide Elemente „Du“ und „Ich“ am Leben bleiben, wird eines von diesem Leben der Herr sein, während das andere Leben einfach eine reine Existenz, dass dem anderen gehört. Dieses Leben gehört dem „Du“, nicht dem eigenen „Ich“.

d)     Das Überleben (Das eigene Überleben)

Dieses „eigene“ kann das individuelle Überleben ebenso wie das Überleben der eigenen Familie, des eigenen Clans und Volkes implizieren.

Die verbreitete Meinung vieler aktueller Experten, wonach der Ursprung der Gewalt auch im Drogenkonsum, in der Einsamkeit und in den psychischen Erkrankungen liegt, ist schlichtweg falsch. Der Zusammenhang ist inkorrekt.

Wenn psychische Erkrankungen und Drogen Gewalt erzeugen, dann nur deshalb, weil der Verstand in einem Zustand der Verwirrung und Verzerrung der Realität versunken ist, der ihn auf eine der beiden einzigen bestimmenden Ursachen von der Gewalt führt. Das heißt: Entweder denkt das Subjekt, dass es sich wirklich in Gefahr befindet, oder es ist überzeugt, dass es auserwählt ist, die Macht zu übernehmen und auszuüben.

12.  Wenn es um die Anwendung von Massengewalt geht, ist Gewalt die Energie, die jedes einzelne Element mit dem anderen nicht nur verbindet, sondern sogar eint.

Die individuelle Energie passt sich den anderen individuellen Energien an und vereint sich mit ihnen, so dass aus der chaotischen und konfusen Masse ein organisches und koordiniertes „Über-Ich“ entsteht. In diesem organischen und koordinierten „Über-Ich“ ist jedes Element wie ein Tropfen in einem zerstörerischen fließenden Strom, der kaum zu „kanalisieren“ ist. Ihn zu bremsen, ist fast ein Ding der Unmöglichkeit.

Deshalb ist es so schwierig, in solchen Situationen nicht nur die Ruhe, sondern vor allem die eigene Persönlichkeit zu bewahren. Hier empfehle ich die Lektüre von „Die Nashörner“ von Ionescu.

13.  Die Gewalt denkt nicht. Sie entwickelt nur Strategien.

Im Denken zielen Verstand und Gefühl auf die Erreichung der „Vernunft”.

In einer Strategie zielen Verstand und Gefühl auf die Erringung des „Sieges“.

c)      Denken:                                    Verstand + Gefühl = Vernunft

d)     Strategien der Gewalt:           Verstand + Gefühl = Sieg

 

14.  Gewalt kann physisch und psychisch sein.

Physische Gewalt ist eher in vortechnologischen Gesellschaften präsent.

Psychische Gewalt ist eher typisch in technologischen Gesellschaften. Selbst Humor ist eine Waffe, die in diesen Bereich gehört.

Totalitäre Systeme kommen mit physischer Gewalt an die Macht und behalten sie mit Hilfe der psychischen Gewalt.

Krieg ist totale Gewalt.

15.  In einer Situation, in der Gewalt herrscht, ist es das Komplizierteste festzustellen, wer das Opfer, das sich zu verteidigen sucht, und wer der Angreifer ist. Der Angreifer, der seine Beute verschlingen will, ist nicht dasselbe wie die Beute, die sich von dem Angreifer zu befreien versucht.

Es ist unmöglich, dass Gewalt verschwindet.

Da die Gewalt eine fließende Natur besitzt, wird sie umso starker wirken, je mehr sie eingedämmt wird. Das Wichtigste ist also, wie man es schafft, die Energie, die die Gewalt in sich trägt, zu kanalisieren, sublimieren und sie richtig zu führen.

Die Mittel, die man normalerweise hierfür nutzt, sind Wettkämpfe, Spielen und Sport. Damit diese „Kämpfe“ ihre Zwecke erfüllen, Gewalt aufzuweichen, müssen sie transparent, ehrlich und frei von Korruption sein. Das bedeutet nicht, dass alle Teilnehmer oder Konkurrenten dieselbe Position oder dieselbe Benotung bekommen. Man darf nicht vergessen, dass die Gewalt immer ihre ausgrenzende Struktur „entweder Du oder Ich“  bewahrt. Alle diese Wettbewerbe setzen die Existenz der Meritokratie mit den gleichen Wettbewerbedigungen voraus. Wichtig ist, dass die Teilnehmer erkennen, dass der Wettbewerb fair ist, damit die Gewalt effektiv kanalisierbar ist.

16.  Rache entsteht, wenn das Dilemma „entweder Du oder Ich“ nicht gelöst wurde.

       Isabel Viñado Gascón.