Die Existenz des
Pluralismus in der Natur ist nicht nur eine Tatsache, sondern eine
Voraussetzung.
Deshalb bekommt die Frage
nach dem Pluralismus nur Sinn, wenn der Pluralismus selbst in Gefahr ist,
entweder, weil eine bestimmte Meinung (in der Natur, Spezies) alle anderen
durchdringt, oder wenn es keine richtige Pluralität, sondern nur eine
Opposition gibt - was man heute unter „Spaltung“ kennt.
Wenn der Pluralismus
etwas Selbstverständlich ist und doch ständig in Gefahr ist, wann kann man über
Chancen und wann kann man dann über die Risiken des Pluralismus sprechen?
Der Pluralismus ist nur fruchtbar,
wenn diese Pluralität ausgeglichen ist. Das heißt: nur wenn der Pluralismus durch
die Vernunft geprägt ist. Unter
„Vernunft“ meine ich das Gleichgewicht zwischen Verstand und Gefühl, Materie
und Geist.
Wann bringt der
Pluralismus Risiken?
Der Pluralismus enthält nicht
nur ein Risiko, sondern sogar eine wahre Gefahr, wenn der Pluralismus nicht
mehr ausgeglichen, das ist: nicht mehr vernünftig ist.
Der Pluralismus ist nicht
mehr vernünftig:
a) Wenn der Verstand
nicht genügend entwickelt ist und grundlose willkürliche Meinungen aufbaut,
weil die innere Motivation nicht das Denken ist, sondern nur das Herrschen ist.
b) Wenn die Gefühle
labile, instabile sind. Wenn die Gefühle nur Gefühlsduseleien sind, die vor
allem zur Manipulation dienen. Das ist: wenn die Motivation der Gefühle, nicht
das Fühlen, sondern das Herrschen ist.
c) Wenn beides: Verstand
und Gefühle auf Durchdrängen und Herrschen gerichtet sind.
Was also verlangt der
Pluralismus, um fruchtbar zu werden?
Man kann natürlich mit
den Begriffen „Dialog“ und „Freiheit“ antworten.
Beide Elemente sind in
der Tat extrem wichtig.
Aber meiner Meinung nach,
sind weder Dialog noch Freiheit die essentiellen Elemente eines fruchtbaren
Pluralismus.
Man soll zum Beispiel and
der Spaltung in der Kirche zwischen dem heidnischen Glauben und dem orthodoxen
Glauben, zwischen dem orthodoxen Glauben und der Wissenschaft, und zwischen der
gesellschaftlichen Ordnung, die der orthodoxe Glauben schafft und den
gesellschaftlichen Ordnungen, die aus anderen Betrachtungen entstanden sind,
denken. Trotz allem, war in jede diese Situationen immer der Pluralismus
fruchtbar.
Welches ist dann das
unentbehrliche Element, damit der Pluralismus eine Erhebung über die vorherige
Phase schaffen würde?
Ich bin überzeugt, dass dieses
Element, das integrales Denken ist. Ohne dies, ist kein Pluralismus möglich.
Das heißt: Der
Pluralismus benötigt um werden und um fruchtbar zu sein, ein Denken, dass das
Gleichgewicht zwischen einem guten aufgebauten Verstand und einen guten
aufgebauten Gefühlvermögen schafft und ermöglicht.
Da der Menschen Abbild
Gottes ist, benötigt er vor allem Bildung!
Ich meine Bildung
und nicht Erziehung.
Diese Bildung verlangt
Freiheit wie Dialog und Kommunikation.
Ohne Bildung ist das integral
Denken unmöglich und folglich wird auch der Pluralismus unfruchtbar.
Was wird der Pluralismus
ohne das integrale Denken, ohne die Bildung werden?
Ohne das integrale Denken
wird der Pluralismus sich in Chaos, Anarchie, Gewalt verwandeln. Der Krieg eines
jeden gegen jeden, um nichts. Herrschen zu wollen, nur um des Herrschens willen.
Leere Macht und willkürliche Wille.
Isabel Viñado Gascón
(Dieser Artikel erschien
erstmals in MoMo PubTalk am 12.12.2021)
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