Samstag, 14. Februar 2026

Vision

 

Ich möchte hier zwei verschiedene Bücher vorstellen: „Dreams, Hallucinations, visions“, von Ernst Benz und „The doors of perception“, von Aldous Huxley.

Ernst Benz unterscheidet zwischen Halluzinationen, die in dem Bereich der Psychiatrie einzuordnen sind, und Träume, Prophezeiungen, Visionen und sogar Intuitionen, die zu dem Feld der religiösen Erfahrung gehören, und nimmt die Figur von Swedenborg als Beispiel.

Er behauptet, dass sowohl im Alten Testament wie in Neues Testament, die Begriffe „Prophezeiungen“ „Träume“ „Visionen“ Synonyme sind, weil alle diese Begriffe eine göttliche Manifestation bedeuten.

Das Misstrauen der heiligen Bücher in Bezug auf wahrsagendes Träumen und Weissagungspraktiken macht lieg daran, sagt Benz, dass diese Praktiken mit heidnischen Kulten in Verbindung stehen.

Interessant ist seine Bemerkung über die westliche Psychologie. Nach der Meinung von Benz, ist die westliche Psychologie größtenteils ein Produkt der visionären Mystik.

Das Buch von Aldous Huxley betrachtet die Halluzinationen und Visionen weder aus der Sicht der christlichen Mystik noch aus dem Bereich der Psychiatrie; eher, - würde ich sagen,- aus dem Blickwinkel der Kunst. Solche Erscheinungen sind auch nicht göttliche Manifestationen oder vorbestehende psychische Störungen, sondern durch Drogeneinfluss verursacht. Speziell experimentiert er mit Meskalin. Huxley beobachtet, dass die Sinne durch diese Droge intensiviert werden. Vor allem Wahrnehmung und Gerüche werden schärfer. (Auch Ernst Jünger und Walter Benjamin berichten in genauer Selbstbeobachtung über die Wirkung von Drogen.)

Meine persönliche Meinung zu diesem Thema

-          Aus mystischer Sichtweise sind Drogen nicht erlaubt, weil das „Schummelei“, Betrug bedeutet. Drogen sind der Anspruch, das letzte Level zu erreichen, ohne die entsprechenden Stufen „ordentlich“ durchlaufen zu haben.

-          Andererseits weiß man heute, wieviel Schaden die Drogen verursachen - nicht nur im Gehirn.

-          Gleichzeitig würde ich auch extrem vorsichtig mit Worten wie „Träume“ „Visionen“ und „Intuitionen“ umgehen.

 

Oft sind solche „Visionen“ der Abschluss von logisch-intellektuellen Ketten, die unser Geist unbewusst ausführt, entweder wenn er ruht (Träume) oder wenn ihn unvorhergesehene Vorkommisse aktivieren (ein Wort, ein Objekt, eine Situation).

Meiner Meinung nach gibt es kaum Visionen und Träumen, die als übernatürliche Manifestationen bewerten werden.

Und sogar in solchen Fällen sollte man mit Vorsicht betrachten, ob es göttliche oder dämonische Manifestationen sind. Gerade das letzte ist der Makel (Falle, Gefahr), dass die sogenannten heidnische Weissagungspraktiken mit sich tragen. Sie stellen in den meisten Fällen schamanistische und nekromantische Praktiken dar.

Kurz: Visionen sollten den Ausdruck unserer eigenen Ziele sein. Ziele, die nur unsere Anstrengung zur Erfüllung bringen können. Und wenn wir, auf diesen Weg ein göttliches Licht finden, das unseren Weg erleuchtet, sollten wir dankbar dafür sein.

Wenn schon die individuellen Visionen solche Gefahren und Risiken in sich tragen, dann enthalten die kollektiven Visionen noch größere Gefahren.

Isabel Viñado Gascón

(Dieser Artikel erschien erstmals in MoMo PubTalk am 18 September 2022)

 

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