Hier
gibt es zwei Elemente: das Subjekt, das versteht und das Objekt, das verstanden
wird.
Das
primäre Verständnis ist das von uns selbst. In Spanien sagt man, wenn man von
niemanden mehr verstanden wird: „Yo me entiendo“. Ich verstehe mich
selbst. Eine solche Antwort erinnert an Kierkegaards Vorstellung. Tatsächlich
bedeutet dieses „ich verstehe mich selbst“, dass der Mensch, dessen Selbst nach
Kierkegaard ein Verhältnis ist, nicht nur zu seiner eigenen Überzeugung steht,
sondern noch mehr: er steht in einem harmonischen Verhältnis mit seinem ganzen
Sein.
Umgekehrt,
wenn jemand nicht weiß, was er will oder nicht will, und grundlos unzufrieden
ist, sagt man von ihm: „No se aguanta ni él“. Noch nicht mal er selbst kann
sich ertragen. „Aguantar“ bedeutet nicht nur jemanden ertragen, sondern
auch etwas halten. Dieser Satz bedeutet,
dass das Verhältnis, das dieses Individuum mit sich selbst hat, gestört ist.
Diese
beiden Beispiele zeigen wie komplex die Beziehung zwischen dem Subjekt, das
etwas versteht und dem Objekt, das zu verstanden ist, sein kann.
Wir
selbst sind als das Subjekt, der etwas versteht, nicht immer mit uns selbst
einig.
Das
ist manchmal ein Problem, wenn das zu Konfusion führt.
Trotzdem
kann es auch ein Vorteil sein: wenn diese Konfusion uns dazu bringt das Objekt,
dass zu verstehen ist, aus verschiedenen Perspektiven zu beobachten und darüber
einen Dialog mit dem anderen anzufangen.
Hier
fangen nicht nur die individuelle Konfusion, sondern auch die wahren Konflikte
an.
Die
Behauptung „ich verstehe den anderen nicht“ bezieht sich in der Regel nicht an
das Subjekt selbst, sondern auf das, was es meint. Es kann sein, dass wir seine
persönlichen Umstände kennen wollen, um seine Haltung zu verstehen, aber nur
als Hilfsmittel. Was von ihm nicht zu verstehen ist, ist nicht sein Inneres,
sondern seine Äußerungen – Theorien oder Taten.
-
Es kann sein, dass das Problem, die
Sprache ist: Falsche Übersetzung, zum Beispiel.
-
Es kann sein, dass ein und derselbe
Begriff, verschiedene Bedeutungen hat. Zum Beispiel haben die Begriffe
„Menschenrechte“ „Demokratie“ und „Rechtstaat“ in einer Diktatur nicht dieselbe
Bedeutung, wie in einer liberalen Demokratie.
-
Einige Male ist eine Frage der
Perspektive. Es kommt darauf an, welche Position der Subjekte haben. In die
Gedichte der zehn blinden Männer, die einen Elefant examinieren ist es klar,
dass der blinde Mann, der das Bein des Elefanten anfasst nicht den blinden Mann
verstehen kann, dass der Schwanz anfasst. Das Ergebnis der erste ist, dass der
Elefant das Stamm eines Baumes ist, während die Schlussfolgerung der andere
ist, dass der Elefant ein Seil ist.
-
Andere Male ist eine Frage der
Prioritäten. Zum Beispiel die Frage zwischen Freiheit und Sicherheit. Die Frage
zwischen Abenteuer und Stabilität. Hier finden sich die Unverständlichkeit und
Unstimmigkeiten zwischen verschiedenen Moralen und Wertsystemen.
-
Es kann sein, dass die Zäsur zwischen Verstehen/Nicht
Verstehen aus Ungleiche Wissen und Kenntnissen entsteht.
(Informationsassymetrien)
Auf
all diese Ebenen, trotz aller Unterschiede, existiert entweder ein möglicher
Dialog oder eine konzertierte Toleranz.
Wann
wird aus die Beziehung Verstehen/ Nicht Verstehen eine Konfrontation?
Entweder
wenn es eine Macht Situation gibt und jeder den anderen zu beherrschen versucht
oder wenn jede von beiden denkt, dass er im Besitz der Wahrheit ist und sich gegenüber
dem anderen um jeden Preis behaupten will, einfach weil er die Wahrheit
endgültig verstanden hat.
In
diesen zwei Fällen gibt es nichts zu verstehen. Das Höchste, dass jemand wie
Hannah Arendt zu verstehen erreicht hat ist, dass das Böse nicht nur auf der metaphysischen
Ebene existiert.
Vielleicht
ist das schon viel zu verstehen.
Isabel Viñado Gascón
(Dieser
Artikel erschien erstmals in MoMo PubTalk am 24.10.2021)
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen
Hinweis: Nur ein Mitglied dieses Blogs kann Kommentare posten.