Samstag, 14. Februar 2026

Vertrauen

 

Provozieren, ja. Das ist es eigentlich, was ich mit diesem Impuls möchte.

Viele haben kein Vertrauen mehr in Gott.

Viele haben kein Vertrauen mehr in „das System“.

Viele haben kein Vertrauen mehr in die Ewigkeit.

Viele glauben nicht mehr, dass eine Ehe eine auf Liebe basierte Säule für die zukünftigen Generationen sein könnte. Junge Menschen heiraten ohne Vertrauen in die Zukunft. "Mal gucken, wie lange das hält.“

Es gibt kein Vertrauen in die eigenen Kräfte. Deshalb entstehen immer mehr kollektive Bewegungen.

Vertrauen? Worin?

In die Technik?

In die Wissenschaft?

Nur wenn diese Technik und diese Wissenschaft kommerziellen Profit mit sich bringen?  

Haben wir Vertrauen in eine Menschheit, die posthumanistisch ist? In eine künstliche Intelligenz, die die menschliche Intelligenz übertrifft?

Kann man der Technik, der Wissenschaft vertrauen, wenn man „dem System“ nicht vertraut?

Kann man „dem System“ vertrauen, wenn man dem Menschen nicht vertraut?

Kann man dem Menschen vertrauen, wenn man der Transzendenz nicht vertraut?

Können wir behaupten, dass wir der Technik vertrauen, dem technischen, dem wissenschaftlichen Fortschritt?

Welche Technik? Welcher Fortschritt?

Die Technik und die Wissenschaft, die dazu führt, länger zu leben, Krankheiten zu stoppen? Und wer zahlt die Rente? Wer beschafft die notwendigen Lebensmittel? Müssen wir uns in Reptilien verwandeln, die sich mit Insekten ernähren? In Götter, die nichts anderes brauchen als Wein und Ambrosia?

Wäre es besser dem Geld zu vertrauen? Den Derivaten, den Aktien?

Wäre diese Theorie, die behauptet, dass jeder seine eigene Welt erschaffen kann, besser? Was für eine Theorie ist das? Ist das eine Theorie für Götter oder für psychiatrische Patienten? Trotzdem - das ist eine ziemlich verbreitete Theorie. Wenn jemand an sich selbst glaubt, wird er erfolgreich sein. Und neben diesem Stuhl des Selbstvertrauens befindet sich der Sessel der kollektiven Bewegungen.

Es gibt kein Vertrauen.

Es gibt den Wunsch, jung zu bleiben, ewig zu sein. Wozu, weißt man nicht. Das Leben für das Leben. Das Existierende als Symbol des nihilistischen Nichts.

Deshalb so viele Vitamine, so viele ästhetische Operationen, so viel „wahre“ Liebe ab 70 - und nach 40 Jahren Ehe; so viele Bücher über geistige Manipulationen, so viele Sammlungen über parallele Universen, so viel Misstrauen gegenüber Menschen, die den anderen nicht beleidigen, und so viele Beleidigungen gegenüber denen, die an etwas glauben.

Deshalb mein ehrlichster Respekt für alle die mit Zähnen und Klauen ihr Rudel verteidigen. Ich glaube, sie sind die Einzigen, die im Moment mein Vertrauen verdient haben.

Isabel Viñado Gascón

(Dieser Artikel erschien erstmals in MoMo PubTalk am 21.02.2021)

 

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