Samstag, 14. Februar 2026

Universalität und Diverstität

 

Es gibt ein Axiom, das die Existenz universeller Rechte beweist, unabhängig von Zeit, Raum und kulturellen Diversitäten.

Dieses Axiom lautet: „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“

Die Grenze meiner Rechte und Freiheit sind die Rechte und Freiheit des oder der anderen. Deshalb kann man die Existenz von Strafen und Freiheitsentzug in Gefängnissen rechtfertigen. Aber sogar in solchen Fällen darf man nicht vergessen, dass das universelle Axiom: „Die Würde des Menschen ist unantastbar“ gilt. Daher muss man Folter immer verbieten, auch im Gefängnis; genauso wie die sogenannten „Berufsausbildungslager“, die in China in Xinjang als vorgeblich präventive Maßnahme gegen Terrorakte errichten worden sind. Ebenso verletzen Kinderarbeit, die der Person die Möglichkeit der Bildung nimmt, Rassismus und Verbote, die nur das Individuum selbst betreffen, wie die Geschlechtsbestimmung die Würde der Menschen. Ebenso muss die Einschränkung der Meinungs- und Bewegungsfreiheit eine Grundlage haben, die respektiert, dass die Würde des Menschen unantastbar ist.

Die Realität drängt sich jedoch auf und wir werden ständig Zeugen ungerechter Handlungen. Ungerechtigkeiten setzen bestimmte Reaktionskräfte in Gang. Die Analyse solcher Kräfte ist das, was ich hier vorhabe, obwohl sie aufgrund unseres Formats äußerst kurz ist.

1. Die Würde einer Person oder Personengruppe wird verletzt.

Zwei Dinge können passieren. Entweder wird die Verletzung des universellen Axioms anerkannt und das Gleichgewicht wiederhergestellt. Oder diese Ungerechtigkeit wird nicht anerkannt.

Im letzteren Fall beginnt ein Kampf, um das verletzte universelle Recht wiederherzustellen.

 

2. Mobilisierung.

Die vorherrschende Gruppe will den "Status quo" aufrechterhalten; zum Beispiel, indem der Protestierer oder die Protestierenden lächerlich gemacht werden. Ihnen wird im Einzelfall Eifersucht vorgeworfen oder Randalierer und Revolutionäre zu sein, wenn es sich um eine Gruppe handelt. Ungerechtigkeit wird bagatellisiert, lächerlich gemacht und man wird ihnen vorwerfen, alles zu ernst zu nehmen oder zu empfindlich zu sein. Es werden „weiche“ Unterdrückungsstrategien wie Unachtsamkeit, Gaslighting, die Spiegelstrategie, oder „harte“ Gewaltunterdrückungsmethoden verwendet.

Das Individuum oder die Gruppe, die unter Ungerechtigkeit leiden, versucht Verbündete und Anwälte zu finden.

Wiedermal können hier zwei Sachen passieren. Der Kampf ist erfolgreich und die Ansprüche werden endlich anerkannt. Das Gleichgewicht ist wiederhergestellt.

Oder der Kampf der Opfer ist nicht erfolgreich. Hier besteht nicht mehr nur eine Situation der Ungerechtigkeit. Weil es schon eine Mobilisierung in der Gesellschaft gegeben hat (Verbündete und Anwälte) entsteht, was der „Status Quo“ "Ressentiments" nennt, und diejenigen, die unter der Verletzung ihrer Würden leiden, "Durst nach Gerechtigkeit" nennen.

 

3. Erscheinung der Bewegungen

Nicht nur die ungelöste Ungerechtigkeit provoziert die Entstehung dessen, was man "Bewegungen" nennt. Auch der Erfolg bei der Wiederherstellung der verletzten Würde kann das Phänomen einer Bewegung erzeugen.

Ob es sich um ein einzelnes Individuum oder um eine Gruppe handelt, das wesentliche Merkmal der Bewegung ist, dass sie nicht nur Verteidiger oder Personen sucht, die ihre Ansprüche teilen, - wie es bei der Mobilisierung geschehen ist -, sondern "das Bewusstsein zu wecken". Das ist eigentlich ihr letztes Ziel, so dass es in der ersten Linie nicht darum geht, die Situation der verletzten Würde zu korrigieren, sondern eine relevantere Rolle in der Gesellschaft zu erreichen. Es geht nicht mehr nur darum, den verletzten Achtungsanspruch wiederherzustellen, sondern vor allem, ihre Position und Resonanz in der Gesellschaft zu verbessern. Mit der Erscheinung der Bewegungen beginnt der Kampf um die Etablierung der Identitätsrechte der Gruppe. Dies impliziert den Beginn eines Kampfes, der nicht mehr auf dem Gebiet der universellen Rechte stattfindet, sondern auf dem Gebiet der besonderen Rechte eine partikuläre Gruppe. Das heißt: im Bereich der Macht unter rivalisierenden Gruppen mit ihren jeweiligen Achtungsansprüchen.

 

4. Verbesserung der Bedingungen

Der Erfolg der Bewegungen bei der Verbesserung der Bedingungen ihrer Identitätsrechte setzt den Wunsch voraus, weiterzukämpfen, um mehr Rechte zu erwerben, die sie vorher nicht hatten, oder diejenigen, die sie bereits hatten, auszuweiten. Die egalitären Gesellschaften etablieren zum Beispiel Quoten in der politischen und wirtschaftlichen Repräsentanz oder führen Ermäßigungstarife für die ökonomisch schwächsten Gruppen ein. Seltsamerweise geschieht dies auch in Gesellschaften, in denen bestimmte Gruppen vorherrschen. Dort sind die elitärsten Gruppen diejenige, die von Steuern und Abgaben befreit sind und den höchsten Grad an Repräsentanz haben.

 

5. Wenn die Bewegung erfolgreich ist, können drei Dinge geschehen:

a) Die Bewegung bewahrt und anerkennt universelle Rechte und erreicht das in der Gesellschaft verlorene Gleichgewicht.

b) Die Bewegung behält ihre Vorrechte in Bezug auf die Vielfalt anderer Gruppen wie den sozialen Frieden. In diesem Fall wird Toleranz zu einem Pakt der gegenseitigen Nichtaggression.

c) Die Bewegung gewinnt an Macht und initiiert Unterdrückung von Individuen außerhalb dieser Bewegung. Die universellen Rechte werden verletzt und der Kreislauf beginnt von Neuem.

Fazit: Was manche - wie Carl Schmitt – „die Tyrannei der Werte“ nennen, ist nicht die Tyrannei der universellen Rechte, sondern die Tyrannei der Rechte von bestimmten Gruppen, die immer im Kampf um die Erlangung der Macht liegen. Deshalb versuchen sie ihre eigenen Ansprüche als universelle Rechte geltend zu machen, während sie gleichzeitig die Universalität der Rechte der anderen verneinen. Es ist ein Kampf der bestimmten Rechte der einen gegen die bestimmten Rechte der anderen, wobei jede Bewegung das Banner des universellen Rechts führt, um Druck auf den Rest auszuüben.

Auf diese Weise scheint ein Kampf für universelle Rechte geführt zu werden, der eigentlich ein falscher Kampf ist. Die Schlussfolgerung von einem solchen Kampf erweckt jedoch den Eindruck, dass universelle Rechte nicht existieren, was auch falsch ist.

Das alles zu vergessen und jede Bewegung zu unterstützen, die die universellen Rechte zu verteidigen behauptet, während sie gleichzeitig die Flagge ihrer besonderen Ansprüche schwenkt, verursacht kurz - oder langfristig große Kopfschmerzen für jede Gesellschaft, die etwas auf sich hält.

Isabel Viñado Gascón

(Dieser Artikel erschien erstmals in MoMo PubTalk am 15 Januar 2023)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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