Samstag, 14. Februar 2026

Unsicherheit

 Unsicherheit bedeutet die Unwissenheit sowie die Unbestimmtheit in Bezug zu einer Zeit, zu einem Ort oder zu einem Ereignis. Auf der Unmöglichkeit, ein klares Urteil erstellen zu können, ruhen die Unruhe und sogar die Angst, die die Unsicherheit erzeugen.

Es ist wichtig den Begriff „Unsicherheit“ von den Begriffen „Bedrohung“ und „Gefahr“ zu unterscheiden.

„Bedrohung“ meint ein mögliches konkretes Risiko. „Gefahr“ meint ein bevorstehendes konkretes Risiko. Der Begriff „Unsicherheit“ dagegen, enthält in Prinzip kein notwendiges Risiko in sich, sondern einfach nur die Unwissenheit über den Werdegang.

Kurz: während die Begriffe „Bedrohung“ und „Gefahr“ eine nüchterne Analyse der Situation benötigen, erfordert die Unwissenheit, die für den Begriff der „Unsicherheit“ wesentlich ist, zu ihrer Überbindung die Entwicklung des Wissens.

Dieses Wissen strebt zuerst immer nach der Wissenschaft und dem Lernen und dem Recherchieren. Man weißt nicht, ob die Erde eine Kugel oder flach ist. Der Schuler weiß nicht, ob die Französische Revolution in 1789 oder 1879 stattgefunden hat. Der Passagier weiß nicht, ob der Zug pünktlich oder unpünktlich ankommen wird. Der Mensch ist sich seiner selbst und seine Gefühle nicht sicher, und erforscht dann seine Seele. Der Mensch ist unsicher über das Wetter und er konsultiert den Wetterbericht.

Wenn aber die wissenschaftlichen Kenntnisse die Unsicherheit eines Individuums nicht beseitigen können, dann entwickelt der Mensch die sogenannten „Selbstverteidigungsmechanismen.“

Das heißt, der Mensch entfaltet Methoden, um aus dieser Unsicherheit entfliehen zu können.

Eine von diesen Strategien ist alles, was mit dem Aberglauben zu tun hat. Der Mensch befragt die Sterne, die Karten, die Göttern, die Steine, nach seinem eigenen Schicksal. Der König, der Regierungschef fragt den Magier und die Hexe, was die Zeichen über das, was er zu tun oder nicht zu tun hat sagen, oder ob er der Sieger im Krieg sein wird. Um die Götter zu überreden, bietet ihnen der Mensch Darbringungen und übt Magie. Die Magie ist der erste Versuch des Menschen die Unsicherheit über sein Schicksal auszuräumen.

Da die Zeichen aber auch unsicher sind, nimmt der Mensch die Kontrolle über sein eigenes Schicksal in die Hände: der Zeitpunkt seines Todes, der Zeitpunkt der Geburt seiner Kinder, die Geburt seiner Kinder und irgendwann möchte er der Kontrolle über seine ganze Existenz haben. So entsteht der „versicherte Mensch“: der Mensch, der für alles eine Versicherung hat: Krankheit, Feuer, Erdbeben, Bubenstreich…

Der moderne Mensch versucht die Unsicherheit über jede Kleinigkeit abschaffen, weil die Unsicherheit ein Synonym für Gefahr geworden ist. So dehnt sich das Verlangen nach Kontrolle aus, bis dieses Verlangen fast eine Obsession wird. Man sagt, dass die Straßen, wegen der Steigerung der Kriminalität unsicher sind. Eigentlich bedeutet hier „unsicher“ dasselbe wie „Bedrohung für die Sicherheit.“ Sie verlangen nach Kontrolle, weil jede Bewegung eine Drohung für die Sicherheit bedeutet oder bedeutet könnte; dies ist definitiv eine Deformation des Begriffes „Unsicherheit“: Man zeichnet Privatgespräche, falls es private Ärger gibt. Man steckt Überwachung-Kameras in die Kinderzimmer, um den Schlaf des Kleinkinds zu überwachen. Wohneigentümergemeinschaften installieren Überwachungskameras im Keller, um sicher zu sein welcher Nachbarn den Müll nicht in die richtige Mülltonne steckt. Man steckt Überwachungskameras in die eigene Wohnung, um in die Wohnung hineinzuschauen, wenn man in den Ferien ist.

So wird der Mensch nicht ein soziales Wesen, der in einer Gesellschaft lebt, sondern ein funktionales Wesen, das in einem System lebt, - in dem es keinen Raum für Überraschungen - gute oder schlechte - gibt.

Isabel Viñado

(Dieser Artikel erschien erstmals in MoMo PubTalk

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